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Das Gedicht "Fröhlich, zärtlich, lieblich" schrieb Oswald von Wolkenstein.

Frölich, zärtlich, lieplich und klärlich, lustlich, stille, leise
in senfter, süesser, keuscher, sainer weise
wach, du minnikliches, schönes weib
reck, streck, preis dein zarten, stolzen leib!
Sleuss auff dein vil liechte euglin klar!
taugenlich nim war,
wie sich verschart der sterne gart
in der schönen, haitern, klaren sunnen glanz!
wolauff zue dem tanz!
machen ainen schönen kranz
von schaunen, praunen, plawen,   grawen,
gel,   rot, weiss,   viol plüemlin spranz.

Lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht,
wisplocht, freuntlich sprachen
auss waidelichen, gueten, rainen sachen
sol dein pöschelochter, roter munt,
der   ser   mein herz tiefflich hat erzunt
Und mich fürwar tausent mal erweckt,
freuntlichen erschreckt
auss slaffes traum, so ich ergaum
ain so wolgezierte, rote, enge spalt,
lächerlich gestalt,
zendlin weiss darin gezalt,
trielisch, mielisch, vöslocht, röslocht,  
hel zu fleiss waidelich gemalt.

Wolt si, solt si, tät si und käm si, näm si meinem herzen
den senikleichen, grossen, herten smerzen,
und ain prüstlin weiss darauff gesmuckt,
secht, slecht wär mein trauren da verruckt.
Wie möcht ain zart seuberliche diern
tröstlicher geziern
das herze mein an allen pein
mit so wunniklichem, lieben, rainen lust?
mund mündlin gekust,
zung an zünglin, prüstlin an prust,
pauch an peuchlin,   rauch   an reuchlin  
snell   zu fleiss   allzeit frisch getust.

Oswald von Wolkenstein, ca. 1377-1445

 

 

 

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