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Das Gedicht "Sehnsucht nach blauen Augen" schrieb Moritz Gottlieb Saphir.

Die Luft ist rein, das Klima mild,
Das Wetter ist hier lauer,
Ein weicher Westwind niederquillt,
Der Himmel ist hier blauer:
Doch freut mich nicht das Wetter lau
Doch freut mich nicht der Himmel blau,
Mich freuet nicht das Sonnenlicht,
Seh ich ein blaues Auge nicht!

Ein Auge, das nordhimmelblau
In sanften Strahlen leuchtet,
Dem Veilchen gleich, vom Morgenthau
Im stillen Thal befeuchtet;
Ein blaues Aug', in dem die Fluth
Des himmelreinen Azurs ruht.
Ein blaues Auge ganz allein
Kann mir mein blauer Himmel seyn!

Ein blaues Auge, dessen Licht
Wie Aether niederwehet,
Das still und zart: „Vergißmeinnicht!"
In sanfter Demuth flehet;
Ein blaues Auge, dessen Schein
Ist milde, wie der Lasurstein;
Ein blaues Auge ganz allein
Kann mir mein blauer Himmel seyn.

Ein blaues Aug', das mild entbrennt,
Wenn Liebe d'rin sich malet,
Wie in dem blauen Firmament
Der Abendstern strahlet;
Ein blaues Aug' bescheidentlich,
Das still erglüht, doch inniglich,
Ein blaues Auge ganz allein
Kann mir mein blauer Himmel seyn!

Ein blaues Aug', in dessen Grund
Der Sehnsucht Thräne flimmert,
Die, wie der Perle süßer Fund,
Durch blaue Fluthen schimmert;
Ein blaues Auge, dessen Ring
Den Saphir halt in süßer Schling',
Ein blaues Auge ganz allein
Kann mir mein blauer Himmel seyn!

Moritz Gottlieb (Moses) Saphir, 1795-1858

 

 

 

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