Das Gedicht "Der Adler und der Papagei" schrieb Gottlieb Konrad Pfeffel.
Ein naseweiser Papagei
Aus unsern aufgeklärten Zeiten,
Da stolzer Wahn und Spötterei
Pygmäisch das Verdienst bestreiten,
Sah einen Adler den sein Flug
Aus dem Revier der Sonne trug;
Auf einem Baum sich niederlassen,
Und kriegte Lust mit ihm zu spassen.
Er flattert auf den Weisen zu,
Der die gesenkte Stirne kühlte
Und in dem Heiligtum der Ruh
Die Wonne seines Daseins fühlte.
»Herr Vetter, sprach der Papagei,
Mich dünkt, die Zeiten sind vorbei,
Da man dich als Monarch verehrte;
Die Zeiten, da des Dichters Witz
Dich mit dem schreckenvollen Blitz
Des wilden Donnergotts bewehrte:
Und gleichwohl bist du schlau genug,
Noch itzt den Pöbel zu bethören,
Und lenkest deinen stolzen Flug
Nach mystischen erhabnen Sphären,
Als wär es, wie der Gimpel glaubt,
Nur deiner Majestät erlaubt,
Auf des Olymps lazurnen Hügeln
Sich in dem Quell des Lichts zu spiegeln.«
Der lose Vogel schweigt und lacht,
So wie es jeder Spötter macht,
Wenn sein bescheidner Gegner gähnet.
»Dem Adler ist es einerlei,
Sprach jener, was ein Papagei
Und was ein Gimpel von ihm wähnet.
Sein Wesen sagt ihm was er ist,
Der kühne Geist, der ihn belebet,
Das Auge, das die Sonne grüßt,
Sobald es nur die Wimper hebet,
Der ehrne Fittich, den er trägt,
Der kaum bekielt die Hüfte schlägt,
Um aus dem Nest sich aufzuraffen,
Verkündigt ihm das stolze Glück,
Er sei vom gütigen Geschick
Zum Bürger des Olymps erschaffen.
Poetische Versuche II
Gottlieb Konrad Pfeffel, 1736-1809
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