Gedichte-Lyrik-Poesie

Gedichte über Pflanzen und Tiere aus Feld, Wald, Wiese, Garten,
aus Flora und Fauna

Naturgedichte

Flucht - In der Freie will ich leben - Karl Lappe

Aus der Flora

Die Metamorphose der Pflanzen

Dich verwirret, Geliebte, die tausendfältige Mischung
Dieses Blumengewühls über dem Garten umher;
Viele Namen hörest du an, und immer verdränget
Mit barbarischem Klang einer den andern im Ohr.
Alle Gestalten sind ähnlich, und keine gleichet der andern;
Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz,
Auf ein heiliges Rätsel. Oh, könnt ich dir, liebliche Freundin,
Überliefern sogleich glücklich das lösende Wort!
Werdend betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze,
Stufenweise geführt, bildet zu Blüten und Frucht.
Aus dem Samen entwickelt sie sich, sobald ihn der Erde
Stille befruchtender Schoß hold in das Leben entläßt
Und dem Reize des Lichts, des heiligen, ewig bewegten,
Gleich den zärtesten Bau keimender Blätter empfiehlt.
Einfach schlief in dem Samen die Kraft; ein beginnendes Vorbild
Lag, verschlossen in sich, unter die Hülle gebeugt,
Blatt und Wurzel und Keim, nur halb geformet und farblos;
Trocken erhält so der Kern ruhiges Leben bewahrt,
Quillet strebend empor, sich milder Feuchte vertrauend,
Und erhebt sich sogleich aus der umgebenden Nacht.
Aber einfach bleibt die Gestalt der ersten Erscheinung;
Und so bezeichnet sich auch unter den Pflanzen das Kind.
Gleich darauf ein folgender Trieb, sich erhebend, erneuet,
Knoten auf Knoten getürmt, immer das erste Gebild.
Zwar nicht immer das gleiche; denn mannigfaltig erzeugt sich,
Ausgebildet, du siehst's, immer das folgende Blatt,
Ausgedehnter, gekerbter, getrennter in Spitzen und Teile,
Die verwachsen vorher ruhten im untern Organ.
Und so erreicht es zuerst die höchst bestimmte Vollendung,
Die bei manchem Geschlecht dich zum Erstaunen bewegt.
Viel gerippt und gezackt, auf mastig strotzender Fläche,
Scheinet die Fülle des Triebs frei und unendlich zu sein.
Doch hier hält die Natur, mit mächtigen Händen, die Bildung
An und lenket sie sanft in das Vollkommnere hin.
Mäßiger leitet sie nun den Saft, verengt die Gefäße,
Und gleich zeigt die Gestalt zärtere Wirkungen an.
Stille zieht sich der Trieb der strebenden Ränder zurücke,
Und die Rippe des Stiels bildet sich völliger aus.
Blattlos aber und schnell erhebt sich der zärtere Stengel,
Und ein Wundergebild zieht den Betrachtenden an.
Rings im Kreise stellet sich nun, gezählet und ohne
Zahl, das kleinere Blatt neben dem ähnlichen hin.
Um die Achse gedrängt, entscheidet der bergende Kelch sich,
Der zur höchsten Gestalt farbige Kronen entläßt.
Also prangt die Natur in hoher, voller Erscheinung,
Und sie zeiget, gereiht, Glieder an Glieder gestuft.
Immer staunst du aufs neue, sobald sich am Stengel die Blume
Über dem schlanken Gerüst wechselnder Blätter bewegt.
Aber die Herrlichkeit wird des neuen Schaffens Verkündung;
Ja, das farbige Blatt fühlet die göttliche Hand,
Und zusammen zieht es sich schnell; die zärtesten Formen,
Zwiefach streben sie vor, sich zu vereinen bestimmt.
Traulich stehen sie nun, die holden Paare, beisammen,
Zahlreich ordnen sie sich um den geweihten Altar.
Hymen schwebet herbei, und herrliche Düfte, gewaltig,
Strömen süßen Geruch, alles belebend, umher.
Nun vereinzelt schwellen sogleich unzählige Keime,
Hold in den Mutterschoß schwellender Früchte gehüllt.
Und hier schließt die Natur den Ring der ewigen Kräfte;
Doch ein neuer sogleich fasset den vorigen an,
Daß die Kette sich fort durch alle Zeiten verlänge
Und das Ganze belebt, so wie das Einzelne, sei.
Wende nun, o Geliebte, den Blick zum bunten Gewimmel,
Das verwirrend nicht mehr sich vor dem Geiste bewegt.
Jede Pflanze verkündet dir nun die ew'gen Gesetze,
Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir.
Aber entzifferst du hier der Göttin heilige Lettern,
Überall siehst du sie dann, auch in verändertem Zug.
Kriechend zaudre die Raupe, der Schmetterling eile geschäftig,
Bildsam ändre der Mensch selbst die bestimmte Gestalt!
O gedenke denn auch, wie aus dem Keim der Bekanntschaft
Nach und nach in uns holde Gewohnheit entsproß,
Freundschaft sich mit Macht aus unserm Innern enthüllte,
Und wie Amor zuletzt Blüten und Früchte gezeugt.
Denke, wie mannigfach bald die, bald jene Gestalten,
Still entfaltend, Natur unsern Gefühlen geliehn!
Freue dich auch des heutigen Tags! Die heilige Liebe
Strebt zu der höchsten Frucht gleicher Gesinnungen auf,
Gleicher Ansicht der Dinge, damit in harmonischem Anschaun
Sich verbinde das Paar, finde die höhere Welt.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

Erschaffung der Pflanzen Meister Bertram: Erschaffung der Pflanzen

Gedichte über Bäume — Blätter — Blüten

Stille Kameraden

Sie stehen still, die Häupter stolz erhoben.
Aus einem Kern entkeimten sie der Erde Schoß.
Sie wuchsen langsam, wurden mächtig, stark und groß
und strebten stets zum Licht empor, nach oben.
Sie überlebten Menschen und die Zeiten.
Berichten stumm aus den Vergangenheiten,
erzählen Märchen uns auf Waldes Pfaden,
die Bäume, diese stillen Kameraden.

In ihnen lebt ein ganz geheimes Schweigen,
und wer die Bäume liebt, der wird es wohl verstehn.
Man hört die Zwerge kichern, flüstern mit den Feen
und den Gesang der Englein in den Zweigen.
Die Bäume sind verwurzelt mit den Tagen
der Väter und der Heldensagen.
Die allerschönsten Lieder und Balladen
erdichten uns die stillen Kameraden.

Es ist ein Wunder, Bäume anzusehen
in ihrer Größe, Stärke und Beständigkeit.
Die rauhen Stämme stehen fest zu jeder Zeit,
wenn auch die Äste krachen und die Stürme wehen.
Sie streben zu der Sonne, zu den Sternen.
Wir kleinen Menschenkinder sollten lernen,
des Lebens Bürde stolz auf uns zu laden
wie diese starken, stillen Kameraden.

Fred Endrikat, 1890-1942

Apfelblüten Apfelblüten © Elisabeth Versl-Waag

Zerblättern die Apfelblüten - Max Dauthendey

Blütenleben

Lauer Schatten. Ein blühender Birnbaum auf altem müden Gemäuer. Bronzefarbenes Moos quillt über die Kanten und Risse. Ringsum Gras, junggrün und durchsichtig. Es neigt sich leise und schmiegsam. Harte blaßgelbe Winterhalme zittern dazwischen, farblos und schwach, wie vergrämte greise Haare. Aschgraues und purpurbraunes Laub, mit feinem Metallschimmer, wie tiefes gedunkeltes Silber deckt den Grund. Hie und da ein weißes Blütenblatt mit blaßrosiger Lippe. Leicht, zart, aber müde. Das Geäst biegt sich dicht und tief zur Erde. Sacht zerrinnt Blüte um Blüte und gleitet weiß, zögernd nieder. Die Zweige senken sich tief, bis zu den einsam gefallenen Blüten. Das Alter hat den Stamm zerschürft. In der gefurchten Rinde ziehen die Ameisen eine Straße hoch hinauszur Krone. Emsig und flink rennt es aneinander vorüber. Und dann oben die Bienen. llig und lüstern von den süßen Lippen und klammern trunken an den weichen Blütenrändern. Ein üppiges Summen ist in der Laubkrone, ein einförmig gärender Ton. Die Blüten zittern leise, und die jungen Blattspitzen Zittern. Der alte Baum wiegt sich und seufzt. Duft löst sich, schwebt hinaus in den blauen Sonnenschein, warmsüß und scharf herb.
Max Dauthendey, 1867-1918

Under der linden - Walther von der Vogelweide

Blühender Kirschbaum

Ungezählte frohe Hochzeitsgäste,
Groß und kleine, einfach' und betretzte,
Herrn und Frauen, Edelfräulein, Ritter,
Ungezählte Väter wohl und Mütter,
Ungezählte Kinder, Großmatronen,
Jägerinnen viel und Amazonen,
Freche Dirnen auch mit Ernsten, Frommen
Auf dem Edelhof zusammenkommen.

Ungezählte bräutlich schöne Zimmer,
Da und dort wohl mädchenhafter Flimmer,
Ungezählte rosige Hochzeitsbetten
Und daneben traulich traute Stätten,
Rosenfarbig ausgeschlagne Stübchen
Für die Hafnerinnen und Schönliebchen,
Ungezählte Schalen mit Getränken,
Ungezählte Köche wohl und Schenken,
Ungemessner Raum zu freiem Walten
In dem Hochzeitshause ist enthalten.

Ungezähltes Kommen oder Gehen,
Abschiednehmen, Kehren, Wiedersehen,
Essen, Trinken, Tanzen, Liebesgrüßen,
Liebgewordnes umarmen müssen,
Ungezähltes inniges Umfassen,
Götterfreies Sichgewährenlassen,
Ungezähltes Leid und Selbstvergessen
In dem luftigen Saale – währenddessen
Ungezählte selige Minuten
An dem Freudenheim vorüberfluten.

Christian Wagner, 1835-1918

Vom Kirschbaum - Ferdinand Avenarius
Das Lied vom Kirschbaum - Johann Peter Hebel
Kirschblüte bei Nacht - Barthold Hinrich Brockes
Wem gehört das junge Laub - Achim von Arnim
Maienkätzchen, erster Gruß - Detlev von Liliencron
Blühende Bäume - Hugo von Hofmannsthal
Blütenreife - Hugo von Hofmannsthal
La feuille - Antoine Vincent Arnault
O wie ist der Epheu treu - Clemens Brentano
Die Eichbäume - Friedrich Hölderlin
Die Erlen - Novalis
Die Schlafende unterm Nussbaum - Max Dauthendey
ginkgo biloba - Johann Wolfgang von Goethe
Lockung - Joseph, Freiherr von Eichendorff
Ein Fichtenbaum steht einsam - Heinrich Heine
An einen Baum am Spalier - Sophie Mereau
La branche d`amandier - Alphonse de Lamartine

Über Früchte

Einkehr - Ludwig Uhland
Der Birnbaum des Herrn von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland - Theodor Fontane
Erdbeersträuchlein - Friedrich Rückert
Die Erdbeeren - Johann Gottfried Herder
Lob der schwarzen Kirschen - Anna Louisa Karsch

Garten-Gedichte - Von Gärten und Parks

Sonnenblume im Gemüsegarten

Hinter jenem alten Lattenzaun dort drüben,
der schon ziemlich arg verwittert ist vom Sturm der Zeit,
sonnt sich ein Gemüsegarten in Beschaulichkeit.
Neben Kraut und Unkraut wachsen friedlich Kohl und Rüben.
Neben einem Kürbis reifen zarte Zuckerschötchen.
Alles, was für eine Hausfrau nütz- und dienlich ist,
ist hier kunterbunt vertreten. Knollen neben Knötchen
wachsen unter einer Sonne – und aus einem Mist.
Hinter jenem Lattenzaun dort zwischen grünen Bohnen,
hoch empor, erhaben über dem Gerank,
sieht man, wie aus purem Gold zum Himmel strahlend, blank
eine wunderschöne, große Sonnenblume thronen.
Leuchtend wendet sie zur Sonne ihr Gesicht,
alles, was da unten kreucht, kann sie nicht stören.
Sie bestrahlt mit überreichem Glanz und Licht
tief im Schatten die Radieschen und die Möhren.
Veilchen, Petersilie, Mohn und Sellerie
sprießen alle aus der gleichen Erdenkrume.
Neben Kraut und Rüben blüht die Sonnenblume.
Selbst auf einem Düngerhaufen liegt ein Stücklein Poesie.

Fred Endrikat, 1890-1942

Gartengemüse Gemüse...

Gärtner...und Gärtner

Gartengedichte

Der alte Garten - Joseph Freiherr von Eichendorff
In eines Armen Gärtchen - Gottfried Keller
In einem alten Garten - Georg Trakl
Blumen im Garten - Friedrich Rückert
Der Apfelgarten - Rainer Maria Rilke
Mein Garten - Hugo von Hofmannsthal
Die Töchter der Gärtnerin - Hugo von Hofmannsthal
In einem stillen Garten - Richard Dehmel
An den Schnittlauch - Karl Kraus
Im Treibhaus - Mathilde Wesendonck
Die bunten Astern - Max Dauthendey
Und immer geiler der Holunder im Dunkelgrünen blüht - Max Dauthendey

Lusamgärtlein - Max Dauthendey
Im Park - Eduard Mörike

Blume

Die Blumen ...

Ach, dass vieler Blumen Namen
Mir so unbekannt!
Viele stehn schon bald in Samen,
Die ich nie genannt,
Und doch möchte‘ ich all der Lust,
Die enthüllt der Erde Brust,
All der Schönheit, unvermessen,
Auch im Kleinen nie vergessen. — "Bedauerniss" - von Karl Mayer, 1786-1870

Blumen - Ludwig Tieck
Die Blumen - Friedrich Schlegel
Die Blumen - Ludwig Tieck
Schneeglöckchen - Joseph Freiherr von Eichendorff

Anemonen

Sag, woher kommen
Die schönen, die frommen,
Die Tausend und Abermillionen
Weißgekleideter Anemonen?

"Wir sind die Kindlein, die abgeschieden
So frühe hienieden;
Nun wohnen wir oben
Im Vaterhause da droben."

Was tut ihr nun hier
Im Waldesrevier,
Ihr lieblichen Kleinen
Beim Frühlingserscheinen?

"Drum dürfen wir fort,
Jedes an seinen Heimatort;
Auf Ostern da wird Vakanz gegeben,
Drei Wochen lang welch ein Freudenleben!"

"Und drum sind wir hier
Im Waldesrevier
Alles weiß gekleidet. Mägdlein wie Söhnlein
Mit goldenen Krönlein."

Christian Wagner, 1835-1918

Anemonen am Ostersamstag

Wie die Frauen
Zions wohl dereinst beim matten Grauen
Jenes Trauertags beisammen standen,
Worte nicht mehr, nur noch Tränen fanden;

So noch heute,
Stehen als in ferne Zeit verstreute
Bleiche Zionstöchter, Anemonen,
In des Nordens winterlichen Zonen:

Vom Gewimmel
Dichter Flocken ist er trüb der Himmel;
Traurig stehen sie die Köpfchen hängend,
Und in Gruppen sich zusammendrängend.

Also einsam,
Zehn und zwölfe hier so leidgemeinsam,
Da und dort verstreut auf grauer Öde,
Weiße Tüchlein aufgebunden Jede.

Also trauernd,
Innerlich vor Frost zusammenschauernd,
Stehn alljährlich sie als Klagebildnis,
In des winterlichen Waldes Wildnis.

Christian Wagner, 1835-1918

primula veris - Nikolaus Lenau
Blumen und Sterne - Karl Friedrich von Gerok

Veilchen duften schon - von Dorle Wolf Veilchen duften schon - © Dorle Wolf

Ein Veilchen blühte still verborgen - Herrmann von Gilm zu Rosenegg
Die blauen Frühlingsaugen - Heinrich Heine
Das Veilchen und der Schmetterling - Nikolaus Lenau
Aurikelchen - Richard Dehmel
Daffodils - William Wordsworth
She dwelt among the untrodden ways - William Wordsworth
In einem Frühlingsgarten - Detlev von Liliencron
Die Traubenhyazinthe - Barthold Heinrich Brockes
Sonnenblumen - Max Dauthendey
Die Sonnenblume - Theodor Däubler
Blaue Hortensie - Rainer Maria Rilke
Die kleinen schwachblauen Vergißmeinnicht - Max Dauthendey
Männertreu - Hermann Löns
Nachtduftende Orchis - Christian Wagner
Die gelb` und roten Dahlien spiegeln sich - Max Dauthendey
Schwertlilien - Francisca Stoecklin

... und die ´Königin der Blumen`, die Rose

Rose - Königin der Blumen

Rosengedichte

Die Ros ist ohn warumb - Angelus Silesius
Mignonne, allons voir si la rose - Pierre de Ronsard
Als Allerschönste bist du anerkannt - Johann Wolfgang von Goethe
Heideröslein - Johann Wolfgang von Goethe
Umwandlung - Heinrich Seidel
An die Rose - Friedrich Hölderlin
Siehe, die Rosen im Garten.. - Matthias Claudius
Der Jungrosen Dorn - Max Dauthendey
Rosen - Lisa Baumfeld
Ein Seufzer - Friedrich Rückert
Von zwei Rosen - Christian Morgenstern
Der Blumen Rache - Ferdinand Freiligrath
Die Ros´ ist schön - Moritz Gottlieb Saphir
The last rose of summer - Thomas Moore — Die letzte Rose - Thomas Morus

Rosengedichte (Rilke)

Wilde Rosen

Wenn die wilden Rosen blühn - Heinrich Seidel
Ein Männlein steht im Walde - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

I’ve found the wild rose in the hedge.
And found the tiger-lily,
The blue flag by the water’s edge,
The dancing daffodilly,
King-cups and pansies, every flower
Except the one I’m needing;
Perhaps it grows in some dark bower,
And opens at a later hour.
This flower of love-lies-bleeding.

Richard Henry Stoddard, 1825-1903

Feld-Wald-Wiese

Feld, Wald, Wiese, Moor

Der ewige Wald

Der Herrgott wohnt dort droben in den Bäumen,
wo durch das Grün der hohe Himmel blaut.
Sein Odem weht in diesen heilgen Räumen,
im schönsten Dom, den die Natur erbaut.

Am Morgen rauscht es leise in den Zweigen,
der Wald erwacht mit einem Lobgesang.
Am Abend klingt's, wenn sich die Wipfel neigen,
wie ferner Orgelton und Harfenklang.

Wenn deine Füße und dein Geist ermüden,
dann flieh die Welt für eine kurze Zeit.
Im Walde findest du den wahren Frieden,
hier liegt ein kleines Stück der Ewigkeit.

Im Walde kannst du beten oder träumen.
Wie schön und nah sind Sonne, Mond und Stern.
Der Herrgott wohnt dort droben in den Bäumen.
Die Vöglein preisen unsern Gott und Herrn.

Fred Endrikat, 1890-1942

Spitzwegerich
Arm Kräutchen - Jochim Ringelnatz
Brennessel, verkanntes Kräutlein - Heinrich Hoffmann
Kartoffellied - Matthias Claudius
Die Vogelbeer`- Max Dauthendey
Die blaue Kornblum wohnt versteckt - Max Dauthendey
Die letzte Kornblume - Klabund
Die Vogelscheuche - Christian Morgenstern

Über Mohn und roten Feldmohn:

roter Feldmohn

Der Mohn - Ludwig Uhland
Mohnblumen - Hermann Löns
Dort wucherte Mohn - Max Dauthendey
Schlaf-Mohn - Rainer Maria Rilke
Whose are the little beds... - Emily Dickinson

Im Walde

In stiller Ruh liegt Wald und Feld
Soweit ich horch, kein Laut erschallt.
Die Sonne ist geschieden.
Da lieg ich nun im grünen Hag
Im alten trauten Tannenschlag,
Um mich den tiefsten Frieden.

Als wollt er wiegen mich in Traum,
So leise rauscht der Tannenbaum
Und neigt den hohen Gipfel,
Der tönt gar wundersam ans Ohr,
Die andern flüstern wie im Chor
Und schütteln ihre Wipfel.

Mit einem Mal ein Posthorn klingt.
Wie mächtig mir zu Herzen dringt
Das alte Lied vom Scheiden.
So leb' denn wohl! Mir ist so weh.
Wer weiß, wann ich dich wiederseh,
Ich muß es schweigend leiden.

Und weiter fährt der Postillon,
Von ferne noch ein schwacher Ton,
Dann Ruh auf allen Wegen.
Ich aber bin im Waldesschoß,
Das heiße Haupt im kühlen Moos,
Noch lange Zeit gelegen.

Ludwig Thoma, 1867-1921

Auf der Lichtung

Sommermittag auf dem Hochwald brütet,
Aber auf der Lichtung treu behütet
Vom Geflechte dunkler Brombeerranken,
Wachen auf des Waldes Lichtgedanken.
Falter sind es, die so farbenprächtig,
Auf der Lichtung, sonnig halb und nächtig,
Diese Brombeerblüten still umbeben,
Purpurdisteln geistergleich umschweben.
Sagt mir an ihr stillen Geisterfalter
Auf der Lichtung: Wie viel Zeitenalter
Ihr im Banne laget bei den Toten,
Eh ihr wurdet solche Wunderboten?

Christian Wagner, 1835-1918

Heidebilder - Detlev von Liliencron
Wer hat dich, du schöner Wald... - Der Jäger Abschied - Joseph Frh von Eichendorff
Abschied - Joseph Freiherr von Eichendorff
Im Walde - Adalbert Stifter
Im Wald der Boden von kalten Blättern - Max Dauthendey
Der Wald - Georg Heym
Im Moose - Annette von Droste-Hülshoff
Die Buche - Theodor Däubler
Tête de Faune - der Faunskopf - Arthur Rimbaud
Der Knabe im Moor - Annette von Droste-Hülshoff
Weidenkätzchen - Christian Morgenstern
Die hohle Weide - Friedrich Rückert
Die Pappeln am Fluß - Max Dauthendey
Die Ackerblumen - Karl Mayer
Butterblumengelbe Wiesen - Christian Morgenstern

Trauben

Die Trauben und der Wein

Die Veltlinertraube - Conrad Ferdinand Meyer
Zur Weinlese - Novalis
Trauben, die ess` ich gern - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

 

Aus der Fauna

Metamorphose der Tiere

Wagt ihr, also bereitet, die letzte Stufe zu steigen
Dieses Gipfels, so reicht mir die Hand und öffnet den freien
Blick ins weite Feld der Natur. Sie spendet die reichen
Lebensgaben umher, die Göttin, aber empfindet
Keine Sorge wie sterbliche Fraun um ihrer Gebornen
Sichere Nahrung; ihr ziemet es nicht: denn zwiefach bestimmte
Sie das höchste Gesetz, beschränkte jegliches Leben,
Gab ihm gemeßnes Bedürfnis, und ungemessene Gaben,
Leicht zu finden, streute sie aus, und ruhig begünstigt
Sie das muntre Bemühn der vielfach bedürftigen Kinder;
Unerzogen schwärmen sie fort nach ihrer Bestimmung.
Zweck sein selbst ist jegliches Tier, vollkommen entspringt es
Aus dem Schoß der Natur und zeugt vollkommene Kinder.
Alle Glieder bilden sich aus nach ew'gen Gesetzen,
Und die seltenste Form bewahrt im geheimen das Urbild.
So ist jeglicher Mund geschickt, die Speise zu fassen,
Welche dem Körper gebührt, es sei nun schwächlich und zahnlos
Oder mächtig der Kiefer gezahnt, in jeglichem Falle
Fördert ein schicklich Organ den übrigen Gliedern die Nahrung.
Auch bewegt sich jeglicher Fuß, der lange, der kurze,
Ganz harmonisch zum Sinne des Tiers und seinem Bedürfnis.
So ist jedem der Kinder die volle, reine Gesundheit
Von der Mutter bestimmt: denn alle lebendigen Glieder
Widersprechen sich nie und wirken alle zum Leben.
Also bestimmt die Gestalt die Lebensweise des Tieres,
Und die Weise zu leben, sie wirkt auf alle Gestalten
Mächtig zurück. So zeiget sich fest die geordnete Bildung,
Welche zum Wechsel sich neigt durch äußerlich wirkende Wesen.
Doch im Innern befindet die Kraft der edlern Geschöpfe
Sich im heiligen Kreise lebendiger Bildung beschlossen.
Diese Grenzen erweitert kein Gott, es ehrt die Natur sie:
Denn nur also beschränkt war je das Vollkommene möglich.
Doch im Inneren scheint ein Geist gewaltig zu ringen,
Wie er durchbräche den Kreis, Willkür zu schaffen den Formen
Wie dem Wollen; doch was er beginnt, beginnt er vergebens.
Denn zwar drängt er sich vor zu diesen Gliedern, zu jenen,
Stattet mächtig sie aus, jedoch schon darben dagegen
Andere Glieder, die Last des Übergewichtes vernichtet
Alle Schöne der Form und alle reine Bewegung.
Siehst du also dem einen Geschöpf besonderen Vorzug
Irgend gegönnt, so frage nur gleich, wo leidet es etwa
Mangel anderswo, und suche mit forschendem Geiste,
Finden wirst du sogleich zu aller Bildung den Schlüssel
Denn so hat kein Tier, dem sämtliche Zähne den obern
Kiefer umzäunen, ein Horn auf seiner Stirne getragen,
Und daher ist den Löwen gehörnt der ewigen Mutter
Ganz unmöglich zu bilden, und böte sie alle Gewalt auf;
Denn sie hat nicht Masse genug, die Reihen der Zähne
Völlig zu pflanzen und auch Geweih und Hörner zu treiben.
Dieser schöne Begriff von Macht und Schranken, von Willkür
Und Gesetz, von Freiheit und Maß, von beweglicher Ordnung,
Vorzug und Mangel erfreue dich hoch; die heilige Muse
Bringt harmonisch ihn dir, mit sanftem Zwange belehrend.
Keinen höhern Begriff erringt der sittliche Denker,
Keinen der tätige Mann, der dichtende Künstler; der Herrscher,
Der verdient, es zu sein, erfreut nur durch ihn sich der Krone.
Freue dich, höchstes Geschöpf der Natur, du fühlest dich fähig,
Ihr den höchsten Gedanken, zu dem sie schaffend sich aufschwang,
Nachzudenken. Hier stehe nun still und wende die Blicke
Rückwärts, prüfe, vergleiche, und nimm vom Munde der Muse,
Daß du schauest, nicht schwärmst, die liebliche volle Gewißheit.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

Erschaffung der Tiere Meister Bertram: Erschaffung der Tiere

Gedichte: Tiere und Tierwelt

Ich zôch mir einen valken - Der von Kürenberg, Minnesänger
Das Huhn und der Karpfen - Heinrich Seidel
Das Rhinoceros - Arthur Fitger
Die Biene - Gotthold Ephraim Lessing
Die Freuden - Johann Wolfgang von Goethe
Ein Adler saß am Felsenbogen - Joseph Freiherr von Eichendorff
Die Reichsgeschichte der Tiere - Gottlieb Konrad Pfeffel
Junge Pferde - Paul Boldt
Gebt mir ein Roß... - Christian Morgenstern
Vogelschau - Stefan George
Amsel singt im Himmelssaal - Max Dauthendey
Die Amseln haben Sonne getrunken - Max Dauthendey
Die Schwalben, die abends im Äther spielen - Max Dauthendey
Die Nachtigall - Theodor Storm
Die Enten laufen Schlittschuh - Christian Morgenstern
Le faisan doré - der Goldfasan - Angeliier
L` albatros - Baudelaire
Die Flamingos - Rainer Maria Rilke
Die Forelle - Christian Friedrich Daniel Schubart
Der Hund - Rainer Maria Rilke
Le chat - Charles Baudelaire - Die Katze
Le Petit Chat - Edmond Rostand
Hund und Katze - Wilhelm Busch
Schwarze Katze - Rainer Maria Rilke
Mauskätzchen - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
The Lamb - William Blake
The Tyger - William Blake
Der Adler und der Papagey - Gottlieb Konrad Pfeffel
Der Panther - Rainer Maria Rilke
Der Känguruh - Friedrich Rückert
Karawane - Hugo Ball - Zug der Elefanten - dadaistisch
Der Schmetterling - Johann Wolfgang von Goethe
To a Butterfly - William Wordsworth
Nachtfalter - Max Dauthendey
Fledermäuse - Max Dauthendey
Die Fledermaus - Friedrich Rückert
Eine kleine Maskenwelt - Max Dauthendey
Die Scharen von mächtigen Raben - Max Dauthendey
Die Raben - Georg Trakl
The Raven - Edgar Allan Poe (Der Rabe)
Seepferdchen - Joachim Ringelnatz
Die Ameisen - Joachim Ringelnatz
Fuchs, du hast die Gans gestohlen - Ernst Anschütz
O Grille, sing - Max Dauthendey
Siebenschläfer - Paula Dehmel
Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen - Christian Morgenstern
An einen Frosch - Elisabeth Kulmann Елизавета Борисовна Кульман
Le grillon - Jean-Pierre Claris de Florian
Der schwarze Schwan - Leo Sternberg
Die singende Muschel - Francisca Stoecklin

Spiritus familiaris

Eine schwarze Katze kauert vor meiner Tür,
Eine kleine, schwarze, kurzgeschorene Katze;
Ich komme nach Hause, und mit einem Satze,
Wie ich aufschließe, springt sie herein zu mir.

Was will die kleine, schwarze Katze bei mir?
Wär es ein Hündchen, ich wüßte es zu verstehen;
Ein Frauenhündchen, ich weiß damit umzugehen.
Die Katze ist mir ein völlig fremdes Tier

Sie ist die Seele von meinem Spiritus
Familiaris . Er hat sich umgebrungen.
Die schwarze Katze kommt zu mir hereingesprungen,
Weil sie doch irgendwo übernachten muß.

Frank Wedekind, 1864-1918

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Die Hunde (Elegie)

Es waren einmal zwei Hunde,
Wie war das Herz ihnen schwer!
Sie liefen wohl eine Stunde
Hintereinander her.

Sie hofften, in liebendem Bunde
Werd ihnen leicht und frei,
Und waren doch nur zwei Hunde,
Und keine Hündin dabei.

Das ist die soziale Misere,
Die Sphinx in der Hundewelt,
Daß man vom Hundeverkehre
Die Hündinnen ferne hält.

Die Hündinnen werden ja häufig
Gleich nach der Geburt ersäuft,
Und wird eine Hündin läufig,
Verhindert man, daß sie läuft.

Man läßt sie aus ihrem Kerker
Tag und Nacht nicht heraus;
Knurrend liegt Bella im Erker
Zu Füßen der Tochter vom Haus.

Lisettchen starrt in die Zeilen
Und zittert wohl mit den Knien,
Zuckt mit den Lippen bisweilen,
Und beide denken an ihn.

Wallt man im Familienvereine
Sonntags vors Tor hinaus,
Bella geht an der Leine
Zugleich mit der Tochter vom Haus.

Hier rücken heran die Studenten,
Dort naht sich Nero galant;
Wie wird von beiden Enden
Die arme Leine gespannt!

In einem Rudel Hunde
Kam schließlich man überein,
Es möge nun in der Runde
Jeder mal Hündin sein.

Das Auge, angstvoll, trübe,
Schweift ferne zum Horizont,
Als spräch's: Und das hat der Liebe
Himmlische Macht gekonnt.

Der kleine Fritz ging vorüber
Und sagte: Lieber Papa,
Sage mir doch, du Lieber,
Was machen die Hunde da?

Papa entgegnet: Das nennt man,
Darf dir nicht sagen wie;
An diesen Greueln erkennt man
Das lausige Hundevieh.

Frank Wedekind, 1864-1918

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