Abendleuchten um Würzburg
Wie seltsam jetzt Lichter ins Wasser huschen, in die samtblauen Wellen, die hellen, die das Lampenlicht kaum stört. Vielmehr überspielen sie es, tanzen in dem trägen Gefunkel umher und tauchen die Pfeiler der nahen Steinbrücke in magisches Leuchten, abendlich.
So siegreich breitet sich ringsum ein Sonnentag: Schon scheidend teilt er seine Farbenpracht mit dem Fluss und den Lampen, der Brücke und der Stadt, die sie rings in Höhen einbettet, um sie länger bewahren zu können. Denn auch unterhalb der Brücke taucht der Himmel Hügel und Türme in Blau. Es senkt sich zum Talbecken hernieder und verweilt, bis der Mond in vornehmem Dunkel die Wache auf der Festung antritt.
Wie der alte Tag sein Werk mit sich nimmt, mag ein neuer Hoffnungen in sich bergen, die eine kommende Nacht erfüllt sieht.
1962
© Bernhard Versl