Gedichte Lyrik Poesie

"Gedichte sind kleine Widerstandsnester"

Zitat aus dem Grußwort von Dr. Horst Köhler während seiner Amtszeit als Bundespräsident
anlässlich der Festveranstaltung "10 Jahre Internetplattform ´lyrikline.org` (Berlin, Oktober 2009)"

"...Warum sind für viele Menschen Gedichte so wichtig - und vorgelesene Gedichte erst recht? Weil Gedichte die dichteste, anspruchsvollste und subjektivste Art sind, Sprache zu gestalten, die Welt ins Wort zu fassen, die Existenz zum Ausdruck zu bringen. Gedichte sind kleine Widerstandsnester gegen die riesige Flut an Sprachmüll, der uns täglich aus allen Medien entgegenkommt. Wir reden vom Kommunikations- und Informationszeitalter, in dem wir leben - aber oft kommt es uns so vor, als sei die Kommunikation noch nie so belanglos und als sei die Information noch nie so leer gewesen. Die Sender müssen ja rund um die Uhr senden und die Online-Dienste ihre Schlagzeilen möglichst stündlich ändern - so kommt es, dass die Sprache in eine Art Überproduktionskrise geraten ist.

In dieser Situation stellt das Gedicht eine Unterbrechung dar.

Das Gedicht unterbricht für einen Augenblick das ewige Weiterreden. Es ermöglicht ein Atemholen - vielleicht sogar einen Moment der Wahrheit und der Selbsterkenntnis..."

Das komplette Grußwort finden Sie auf der ›››› homepage des Bundespräsidialamtes

Rose Vielen Dank dem Bundespräsidialamt für die Erlaubnis!

Als Ergänzung dazu aus meiner Heimat ein Zitat de fränkischen Dichters Friedrich Rückert:

"Die Poesie in allen ihren Zungen
ist dem Geweihten Eine Sprache nur,
Die Sprache, die im Paradies erklungen
eh sie verwildert auf der wilden Flur.
Doch wo sie nun auch sei hervorgedrungen,
von ihrem Ursprung trägt sie noch die Spur,
Und ob sie dumpf im Wüstenglutwind stöhne
es sind auch hier des Paradieses Töne."

Friedrich Rückert, 1788-1866

und ein Guter Rat

Springer, der in luft'gem Schreiten
Über die gemeine Welt,
Kokettieret mit den Leuten,
Sicherlich vom Seile fällt.

Schiffer, der nach jedem Winde
Blas er witzig oder dumm,
Seine Segel stellt geschwinde,
Kommt im Wasser schmählich um.

Weisen Sterne doch die Richtung,
Hörst du nachts doch fernen Klang,
Dorthin liegt das Land der Dichtung,
Fahre zu und frag nicht lang...

Joseph, Freiherr von Eichendorff, 1788-1857