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Die Sache mit dem Paradies - Gedanken zur Zweisamkeit

Als einst das Schöpfungswerk vollbracht  
hat Gott der Herr bei sich gedacht  
noch fehlt das Pünktchen auf dem i,
sprich, ich auf Erden in Kopie.
Und so hat er den Mann geschaffen,  
den Adam nackt, und ohne Waffen,  
dem er das wahre Paradies  
samt allem Inhalt überließ. 

Dort sah man zwischen Sträuchern, Wiesen  
manch frisches Bächlein plätschernd fließen.  
Und Tiere gab es jeder Art  
die von dem Herrn erschaffen ward.  
Auch wuchsen ringsum zum Verzehren  
in großer Fülle Obst und Beeren.  
Doch eines sagte Gott dazu:  
"Der Baum dort drüben ist tabu."

Zwar lebte sorglos er hienieden,  
doch bald war Adam unzufrieden,
als Mensch im Paradies allein.  
Der Herr erkannte seine Pein,  
schnitt eine Rippe ihm vom Leib,  
und schuf daraus noch flugs ein Weib.  
Und ohne Böses bei zu denken  
ließ Adam sich das Weib auch schenken.

Eva, ein zartes, hübsches Wesen,
ließ Adam schnell vom Frust genesen.  
D e r wiederum von Leid befreit  
pries Gott voll tiefer Dankbarkeit.  
So herrschte eitel Sonnenschein,  
Zufriedenheit und Glücklichsein,  
war man doch schließlich so verliebt,
wie`s das im Paradies nur gibt.

Doch kaum sah dies die böse Schlange,  
nahm sie das Weib schon in die Zange,
verführte es mit Hinterlist,
wie`s einer Schlange eigen ist.
Infam und feige ausgedacht,
bot sie ihr voller Niedertracht
den schönsten aller Äpfel dar,
vom Baume, der verboten war.

Indes fühlt Adam sich geborgen,
in diesem Leben ohne Sorgen.
Ja, er genoss den Müßiggang
und dachte sich voll Überschwang,
das Paradies ist eine Wucht,
die weltweit ihresgleichen sucht.
Kann es denn noch was Schön`res geben,
als hier im Paradies zu leben?

Da kehrt in eigenem Belange
sein Weib zurück von dieser Schlange
mit einem Apfel in der Hand.
Den reichte sie ihm kurzerhand,
er möge ihn einmal probieren.
Was solle ihm denn schon passieren?
So sprach zuvor das falsche Tier
voll List und Tücke auch zu ihr.

Und Adam sah mit einem Mal,
dass seine Lage recht fatal.
Wie sollte er sich hier entscheiden?
Zwar wollte er gern Streit vermeiden
- ein Ehemann hat dafür Gründe -
doch andrerseits wäre es Sünde,
war es doch die verbot`ne Frucht,
mit der ihn Eva hier versucht`.

Wie dieses schwere Unterfangen,
zur rechten Einsicht zu gelangen,
in grauer Vorzeit hat geendet,
ist ja bekannt. Doch, ob geblendet
von ihrer Schönheit, der Figur,
beziehungsweise, ob er nur
aus Feigheit in den Apfel biss
das ist bis heute ungewiss.

Auf jeden Fall gab es Probleme.
Vorbei war nun das angenehme
Wohlleben auf der faulen Haut .
Auch das ist jedem noch vertraut.
Wobei ich mir nicht sicher bin,
ist`s Paradies wirklich dahin?
Die Antwort kann, wie oft im Leben,
sich jeder Mensch nur selber geben.

Der Blick zurück zeigt wie`s begann.
Mit einem Apfel fing es an.
Dafür ist heut` kein Mann zu haben.
Doch haben sich der Frauen Gaben
im Lauf der Zeiten sehr gewandelt.
Hat sie erst einmal angebandelt,
verfolgt sie mit Geduld ihr Ziel
und sei es noch so diffizil.

So ganz im Gegensatz zum Mann,
der sich nicht recht entscheiden kann.
Er wird auch heute noch erschaffen,
wie Adam, nackt und ohne Waffen
und nach dem Willen der Natur,
versehen mit der Freiheit pur.
Das letzt`re weiß man von Plakaten
die uns in punkto Rauch beraten.

Sein Leben ist ein tolles Spiel,
kennt es doch nur das eine Ziel,
und dem hat alles sich zu fügen:
Tagein, tagaus sich zu vergnügen.
Doch dann kommt plötzlich da ein Weib. -
- Anfänglich schöner Zeitvertreib,
sucht er alsbald sich zu entwinden,
denn warum sollte er sich binden?

Man ahnt schon die Kalamität,
ist es doch dafür längst zu spät.  
Vorsorge hat das Weib getroffen,
macht ihn vor Liebe schier besoffen
umgarnt ihn, bis er stramm gefesselt,
nun sozusagen eingekesselt,
und protestiert er nicht gleich laut,
erklärt sie sich zu seiner Braut.

Wie`s weitergeht, wir wissen`s alle.
Ist sie erst zugeschnappt, die Falle,
sucht er vergebens zu entrinnen,
neu seine Freiheit zu gewinnen.
Stattdessen wird sie ihn betören,
ihr seine Liebe zu beschwören,
bis an das Ende aller Tage.
Nun ahnt selbst er die Niederlage.

Fasst er sich jetzt nicht schnell ein Herz,
tauscht Liebesglück in Trennungsschmerz,
sagt also " lieber Schatz ,ade! ",
ist auch die letzte Chance passé.
Dann hilft`s nicht mehr, sich aufzubäumen.
Von Freiheit darf er nur noch träumen,  
steht der ersehnte Kindersegen
doch diesem Ziel exakt entgegen.

Nun heißt es, sich zu arrangieren,
statt ausgeh`n das Geschirr polieren,
die Frau im Haushalt zu entlasten,
natürlich ohne auszurasten
und ohne Jammern, ohne Klagen
den Mülleimer nach draußen tragen.
Die Umstellung braucht ihre Zeit,
ist das doch keine Kleinigkeit.

Wird er sich eines Tag`s dann fragen:
" Warum muss ich mich hier so plagen
und sitzte nicht, wie`s früher war,
am Stammtisch oder in der Bar? ",
eröffnet sich beim Blick zurück
ihm plötzlich dann das wahre Glück:
Ist es doch schöner, hier zu zwei`n,
als dort im Paradies allein.

J. K. Meider