Widerstand

„Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte“
Grabinschrift des Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, (preussischer General in der friderizianischen Epoche, 1723–1781
) (Quelle: wikipedia)

Widerstand
oder
ein unvollständiger deutscher Gedanke

Es gab einst einen/ der wählte lieber/ die ungnade seines königs/ dem er einmal das leben gerettet hatte/ wo gehorsam nicht ehre brachte/ er widerstand der versuchung/ er verliesz die stadt des königs/ er kehrte nie mehr zurück/ er wurde kein untertan der unehre/ oder ein günstling der ergebenheit/ solch einen gab es einst ...

Es gab einmal/ leute in schwarzen uniformen/ die gelobten ihrem verruchten führer/ dasz ihre ehre treue hiesze/ sie hatten also geschworen/ dasz sie gehorchen würden/ um jeden preis/ auch/ wenn ihr gehorsam verbrechen forderte/ so wurden sie untertanen der unehre/ und günstlinge der ergebenheit/ auch solche gab es ...

Die aber der versuchung widerstanden/ wurden von ihrem volk verlassen/ gehängt und geköpft/ sie wählten die ungnade/ im namen des volkes/ wurden später in ehren wieder aufgenommen/ und im namen des volkes/ der erinnerung übergeben/ nun geehrt und bekränzt/ auf dasz man leichter darüber hinwegkomme/ wie sie verraten waren ...

Und die nun heute/ zu untertanen gemacht sind/ und ohne freien willen preisgeben/ wahllos/ welchen weg sie gehen könnten/ haben auch keine wahl zu zu widerstehen/ ungeehrt in ihrer armut/ und unbekränzt in ihrer verlassenheit/ die trifft sie schlimmer/ als einst die sklaven Roms/ wie sollen sie da künftig noch denken an die/ die der ergebenheit freien willens widerstanden? ...

Wird nun wieder die schändlichste ergebenheit treue?/ und das billige erdrosseln von widerstand ehre?/ haben wir das bei unseren billigen flügen nach süden vergessen?/ haben wir bedacht/ dasz so vielen nichts übrig bleibt/ als jeden widerstand aufzugeben/ und gehorsam wählen zu müssen/ wo doch erzwungener gehorsam/ nie ehre sein wird?/ solchen gehorsam gibt es heute zuhauf ...

aus: ´Aber ich schreibe Gedichte`- projekte-verlag - ISBN 978-3-86634-533-1

© Suitbert Hoffmann