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Meine Füsze

Meinen füszen wollte ich
auch mal was gutes tun
und ihnen die gegend zeigen,
denn meistens sehen sie nichts.
sie stecken in engen,heiszen kästen
und schwitzen im dunkeln vor sich hin,
müssen blind meinen befehlen gehorchen,
tragen still jede last,
bisher ohne sich zu beschweren,
und zum lohn dürfen sie
manchmal zu hause nackt herumlaufen.
also gab ich ihnen einen freien tag,
ging mit ihnen an den schönen ostseestrand,
zog schuhe und strümpfe aus,
sagte: schaut, so sieht hier die gegend aus!
und da lagen sie nun, weisz und
geblendet vom licht im warmen sand
und fanden sich nicht zurecht.
die zehen bewegten sich ein wenig im wind,
zuckten vor einer fliege zurück
(es war lange her, dasz
eine fliege auf ihnen gesessen hatte),
schauten hierhin und dorthin,
und wollten langsam wieder das tun,
was sie immer taten: laufen.
ich sagte: nicht so eilig, ihr füsze!
aber sie hörten das meer rauschen
und wollten unbedingt ans wasser,
das kannten sie von der dusche,
die rauscht ja so ähnlich.
beim gehen kitzelte sie der sand,
das machte sie ungemein lustig,
und sie hüpften herum wie kinder.
dort, wo das wasser und der sand sich treffen,
fanden sie es besonders schön.
sie sanken genüsslich ein in den kühlen wassersand,
liessen ihn zwischen ihren zehen durchquellen,
blieben eine weile drin stecken,
und das langsame wieder herausziehen,
das fanden sie noch besonders viel schöner
und wollten gar nicht aufhören damit.
na ja, sie hatten eben ihren freien tag!
und so konnten sie machen, was sie wollten.
aber irgendwann da wurden sie
doch ein klein bisschen müde
und sagten: wir haben jetzt genug vom freien tag!
da wurden sie fein abgetrocknet
und unter kitzelkichern vom sand befreit,
bekamen ihre strümpfe und ihre schuhe wieder
und waren froh, dasz sie endlich nach hause konnten.
von der vielen frischen luft waren sie ganz müde
und sehr, sehr hungrig geworden.
ich suchte etwas gutes zu essen und zu trinken aus,
sie räkelten sich behaglich unter dem tisch,
und weil wir früh schlafen gehen wollten,
legten wir uns auch bald alle zusammen ins bett.
kurz bevor wir einschliefen, flüsterten sie noch:

das machen wir aber bestimmt bald wieder!
und ich brummelte nur:
aber ja, ja, ganz gewiss!

© Suitbert Hoffmann
mit herzlichem Dank an den Autor für die Genehmigung zur Veröffentlichung.
Weitere Werke des Autors erschienen im projekte-verlag.
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