Kopf

Mein Kopf

Nach der geschichte mit den füszen
beschwerte sich mein kopf
und sagte so laut, dasz ich zusammenzuckte,
dasz es nicht anginge, derartig viel von den füszen
zu erzählen und von ihm nichts,
wo er doch die ganze arbeit mache
und selbst nachts, wo die füsze faul vor sich hin lägen,
nicht aufhöre zu denken.
ich sagte, er solle nun aber nicht unverschämt werden,
ich hätte tagaus, tagein nichts anderes getan,
als das, was er sich ausdachte, aufzuschreiben.
nun wollte er auch einen freien tag.
und so gab ich ihm einen, froh, ihn einmal los zu sein.
er fragte etwas hilflos, wie er denn an den strand käme,
denn er wollte auch dorthin, wo die füsze waren.
ich sagte, er solle sich doch mit den füszen verabreden,
die würden ihn schon hinbringen.
und so machte er es auch, diesmal ohne widerspruch.
am abend kam er zurück und klagte über kopfweh.
die sonne hätte nichts als geschienen,
die leute wären zu dick, das eis zu dünn, der fisch zu fettig,
und zu denken hätte es auch nichts gegeben.
da sagte ich zum kopf: nun mach aber hier keinen
auf fein, und mäkele an allem herum.
machs doch wie die füsze und sei damit zufrieden,
dasz sie so gehen, wie sie gehen,
und gib endlich einmal ruhe!

(die kürze der beschreibung eines freien tages meines kopfes entspricht direkt proportional der kürze der zeit, die er mir lässt.)

© Suitbert Hoffmann
mit herzlichem Dank an den Autor für die Genehmigung zur Veröffentlichung.
Weitere Werke des Autors erschienen im projekte-verlag.
Bitte, beachten Sie das Urheberrecht!