Gedichte über Elemente, Schöpfung, Natur - Naturlyrik

Gedichte-Lyrik-Poesie

Über Feuer, Wasser, Luft, Erde, Sonne, Mond, Sterne, Wind und Wetter,
Stadt, Land, Fluss, Berg und Tal etc.

Parabase

Freudig war, vor vielen Jahren,
Eifrig so der Geist bestrebt,
Zu erforschen, zu erfahren,
Wie Natur im Schaffen lebt.

Und es ist das ewig Eine,
Das sich vielfach offenbart;
Klein das Große, groß das Kleine,
Alles nach der eignen Art.

Immer wechselnd, fest sich haltend;
Nah und fern und fern und nah;
So gestaltend, umgestaltend -
Zum Erstaunen bin ich da.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

 

Die Elemente

Heil dem Wasser! Heil dem Feuer!
Heil dem seltnen Abenteuer!
Heil den mildgewogenen Lüften!
Heil geheimnisreichen Grüften!
Hochgefeiert seid allhier,
Element' ihr alle vier! (Goethe / Faust)

Allegorie_Vier_Elemente Janssen - Allegorie: Vier Elemente

Ovid
Giuseppe Arcimboldo
Goethe

Das heilige Feuer

Der Himmel blau von einem rauschenden Blau, ein schwellender Akkord. Eine Wiese, wie grünes dunkles Glas, ein gestautes Grün. Ein Altar in der Mitte, graublauer Stein, rund. Eine Flamme goldd ünn wie eine Kerze, mit steilem Rauch. Kühle Ruhe. Im Grunde ein Laubberg, olivschwarz Zypressen, dahinter eine Wolkenlawine, dicht getürmt in gelbweißem Schaum. Oben das Abendlicht rostrot über die Baumwülste. Zwei Zypressen abseits, die Spitzen rote Stifte. Am Rand der Wiese dehnt sich der Rauch in weichen Hängen. Frauen, in mohnroten Laken eine, – andere in wasserdünnen Schleiern, bis zur Hüfte eine in Schwarz und Gold, alle in Abständen. Die Arme gehoben ziehen um das Feuer. Im Kreis. Ihr Gesang müde, rot wie das Abendlicht, dehnt sich mit dem Rauch und hinaus in die Ebene bis zum hyazinthenblauen Horizont. Nur oben Licht, und Pochen und rote Wärme, über den Bäumen, am Himmel, in der Wolke. Aber unten eine Leere und Verlassenheit, ein gläsernes Schweigen. Das Laubgrün moderig wie Kirchenluft und filzig geballt. Ein Block die Wolke, weiß zwischen der Laubspalte und darüber strotzend wie blasses Fleisch mit kernigen Muskeln. Die Frauen immer im wandelnden Kreise um das Feuer. Die Leiber braun, und Gesichter braun, alle auf Zehenspitzen in balancierendem Schritt, getragen von ihren Stimmen. Und das satanische Rot, dies fressende, knirschende braune Rostrot an den Baumwipfeln stockt, das Grün versteinert in Andacht, die Wiese platt, stumm, wie ein gefrorener grüner See. Im Gehen schaukeln die Gewänder, die Schleiersäume knistern über den Halmen und Amulette klingeln. Aber immer lautlos das Feuer eine goldene Spirale zur Höhe in die Stille gebohrt. Leise Flamme ohne Licht. Alle Gestalten schattenlos. Lichtlos und schattenlos, in lauer Fläche der Gesang. Der Rauch röchelt. Die Stimmen schwingen reine graue Linien in flachen Wellen. Das Grün der Wiese, die Baumwand, das Rostrot, durch alles schleicht und summt der gemurmelte Sang. Der Sang schwimmt hinaus in die Ebene. Fern blüht eine veilchenrosige Nacht aus.
Max Dauthendey, 1867-1918

Feuer - Johann Wolfgang von Goethe


Das Wasser - Ludwig Tieck
Das Wassertröpflein - Johann Wolfgang von Goethe
Wasser - Gesang der Geister über den Wassern - Johann Wolfgang von Goethe


Erde - An Mutter Erde - Christian Morgenstern

Frühlingsluft - von Dorle Wolf Frühlingsluft - © Dorle Wolf

Luft - Rainer Maria Rilke
An den Aether - Friedrich Hölderlin

Schöpfung und Natur - Mensch und Natur

Die Erschaffung des Weibes - Ludwig Fulda

Paradies
Es wirft sich an's Herz, auf rauschenden schweren Flügelschlag eine ernste Amethystbläue. Eine Strahlung verborgener heiliger Quellen und aus glühenden Laubgrotten. Aus dem Gebüsch ein Mann und ein Weib. Und sie schreiten über den blumigen Rasen, Seite an Seite. Nackt, ein feuchter Violenschein über ihren Leibern. Ein Löwe leckt seine Hand und andere Tiere folgen. Ein Eber auf der Seite des Weibes. Eine weiße Kuh und schnäbelnde rosige Flamingos und andere, Tiger, Elephanten und noch mehr. Aus hyazintblauen Büschen kommt der Zug. Triefende Sonnenbrände über den Büschen. Durchglühte Laubhänge, Malachitleuchten und Smaragdfeuer und darüber die Luft weinrot und rotgolden, wie von üppigen Säften getränkt. Tauben, lilienweiß, die Flügel gespannt im Goldduft über dem Menschenpaare. Im Rasen, rings, kurze große Blumen, rotgefleckte Tulpen und Aurikeln und Primeln in kleinen Sträußen. Oben schmettert das Licht in Posaunen, die Sonnenbrände wirbeln und über die Laubkronen brausen die grünen Feuer. Aber unten, alles ist Marmorkühe, alles klar, eine blaufeuchte Klarheit. Das Weib hält eine Blütengirlande hinter sich, bis zu den Biegungen der Knie schaukelt die Girlande, bei jedem Schritt streicheln sie die kühlen, tauigen Blüten. Sie neben ihm. Ihre Leiber breit und kräftiges Fleisch. Und an ihnen die Nacktheit ist wärmeleer in unbewußter blauer Keuschheit. Die Schatten sind gelbzart wie Bütenmehl an ihrem Fleische. Aber es ist überall um sie, dies dämmerige Violenblau. Es senkt die Äste, sie wiegen sich gewölbt, wie unter Edelsteinlasten, und unter dem Laube in gedämpften Floren. Und über den Tieren dasselbe nachdenklich schweigende Blau, das die Blutwärme verdeckt und alles rollende Rot. Die großen weißen und roten Blumen im Rasen mit den samtdunkeln Pupillen sehen zu dem Menschenpaar auf, und wandeln vor ihm her. Und auch aus ihnen das kühle stumme Blau das alles bezähmt. Das Menschenpaar schreitet über den Rasen. Der blaue Äther wogt um ihre Nacktheit, eine Strahlung verborgener heiliger Quellen und aus glühenden Grotten. Eine ernste Amethystbläue, eine Kühle, es wirft sich an's Herz aus rauschendem schweren Flügelschlag.

Max Dauthendey, 1867-1918

Die drei Alter der Natur.

Leben gab ihr die Fabel, die Schule hat sie entseelet,
Schaffendes Leben aufs neu gibt die Vernunft ihr zurück.

Friedrich von Schiller, 1750-1805

Himmelsschiff - von Dorle Wolf Himmelsschiff - © Dorle Wolf

La Voie lactée (die Milchstraße) - Théodore de Banville

Naturpoesie

Das Schönste ward gedichtet
Von keines Dichters Mund,
Kein Denkmal ist errichtet,
Kein Marmor thut es kund.

Es hat sich selbst geboren,
Wie eine Blume sprießt
Und wie aus Felsenthoren
Ein Brunnquell sich ergießt. - Friedrich Rückert, 1788-1866

Wie mangelhaft und falsch kann eines Menschen Wissen
Von Himmelsläufen sein, Mondfinsternissen!
Die Sterne werden durch sein Irren irr nicht werden,
Weiß er nur selber, was er hat zu thun auf Erden.
Und wenn er das nicht weiß; was hilft, daß er die Bahn
Des Himmels kenne, die er doch nicht wandeln kann!

aus: Weisheit des Brahmannen. - Friedrich Rückert, 1788-1866

Das Göttliche - Johann Wolfgang von Goethe
Allmächtiger Geist - Novalis - Friedrich von Hardenberg
Lob der Gottheit - Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Die Herrlichkeit der Schöpfung - Friedrich Schiller
Als Gott der Herr auf Erden ging - Klabund
Was ist die Welt? - Hugo von Hofmannsthal
Die Natur - Johann Wolfgang von Goethe
An die Natur - Friedrich Hölderlin
Natur und Kunst - Johann Wolfgang von Goethe
Hymn - The spacious firmament on high - Joseoh Addison

Die Materie

Gesteine, Fossilien - Spuren der Erdgeschichte - Evolution

Rainer Lischeski: Aus der Erde geboren Aus der Erde geboren - von Rainer Lischeski

Über Granit - Johann Wolfgang von Goethe
Die Felswand - Conrad Ferdinand Meyer
Sandlieder - Ferdinand Freiligrath
Der Ichthyosaurus - Joseph Viktor von Scheffel

Stadt, Land, Fluss, Berg und Tal
Gedichte über Bauwerke, Architektur, Straßen, Plätze

Sperrt euch ein in große Städte

Sperrt euch ein in große Städte,
Atmet ein die dicke Luft,
Die ein And’rer ausgeatmet –
Unbeschreiblich süßer Duft!
Brauchet dann noch eine Kur,
Eine Morphium-Mixtur,
Und ihr bauet eine Kluft
Zwischen euch und der Natur:
Ach, ihr bauet eure Gruft!

Friederike Kempner, 1828-1904

Mein Dorf

Stille Täler, kleine Leute,
Wie hat uns das Schicksal heute
Mitten ins Getrieb' gestellt!
Jede Seele fasst ein Ahnen,
An die Herzen dringt ein Mahnen
Aus der einst so fernen Welt.

Sorge, die uns gestern drückte,
Freude, die uns einst beglückte,
Ist uns heute armer Tand.
Unser Denken, unser Leben
Ist mit einem hingegeben
An das große Vaterland.

Kräfte, die wir selbst nicht kannten,
Feuer, die verborgen brannten,
Lodern auf in heller Glut.
Und dass wir's mit Augen sehen,
Dieses köstliche Geschehen
Bleibe unser bestes Gut!

(im Simplicissimus veröffentlicht am 15.9.1914)
Ludwig Thoma, 1867-1921

Die Stadt - Theodor Storm
Siehst du die Stadt? - Hugo von Hofmannsthal
Kleine Stadt - Ernst Stadler
Die schöne Stadt - Georg Trakl
Der Gott der Stadt - Georg Heym
Die Vorstadt - Georg Heym
Vorstadt im Föhn - Georg Trakl
Die Kirche - Georg Trakl
Die deutschen Städte - Max von Schenkendorf
Die großen Städte - Hermann von Lingg
Augen in der Großstadt - Kurt Tucholsky
Gesänge an Berlin - Alfred Lichtenstein
Würzburg-Lied: Nennt man mir drei Wunderdinge - Robert Maurmeier
Der Geist von Würzburg - Emanuel Geibel
Als wir jüngst in Regensburg waren - Volkslied
Dresden - Joachim Ringelnatz
London - William Blake
Der Römische Brunnen - Conrad Ferdinand Meyer
Sonette aus Venedig - August von Platen

Stadtflucht

Manchmal schau' ich aufwärts zu den Dächern ringsumher,
denn die grauen Häusermauern drohn mich zu erdrücken.
Auf den Straßen liegt die trübe Last so bleiern schwer.
und ich trage sie wie eine Last auf meinem Rücken.

Einmal möchte ich von einem grünen Bergeshang
wieder einen Blick ins blaue, weite All genießen.
Möchte still bewundern einen Sonnenuntergang,
wie wenn Himmel, See und Erde ineinanderfließen.

Möchte wieder einen Baum mit reifen Äpfeln sehn,
wie wir sie als Kinder heimlich, oft und gern gestohlen.
Möcht' auf einem Bauernhof vor einem Kuhstall stehn
und ganz tief, aus allertiefsten Tiefen Atem holen.

Einmal möcht' ich wieder über weite Felder gehn
und die weiche Schnauze streicheln einem Ackerpferde.
Möchte Enten schnattern hören und die Hähne krähn.
Meine asphaltmüden Füße sehnen sich nach Erde.

Fred Endrikat, 1890-1942

Baukunst
Alles verleiht beinahe dem Maler die schöne Natur schon,
Baukunst aber erheischt feineren geistigen Sinn:
Pomp, Zieraten und dorische Säulen und gotische Schnörkel,
Spielzeug sind sie, wofern fehlt der geheime Begriff;
Aber ein wirkliches Bauwerk ist ein versteinerter Rhythmus,
Deshalb selten, wie auch selten ein gutes Gedicht. - August von Platen

Architektur und Poesie
Baukunst nenn ich die Kunst des Geschmacks, weil zwar ein Gedicht wohl ohne Geschmack oftmals, nie ein Gebäude gefällt.
August von Platen

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Land - Landschaft

Rainer Lischeski: Kalte Landschaft Kalte Landschaft - von Rainer Lischeski

Ebene Landschaft
Die Erde kam, ein grauer Strom, geflossen.
Kein Damm, der ihre Flut zusammenhält,
Sie hat sich über Berg und Tal und Haus ergossen.
Fern, wo ein schmaler Strich den Horizont erhellt,
Ein Baum. Entwurzelt. Der ins Leere fällt.
... aus: Das frühe Fest - Maria Luise Weissmann,1899-1929

Der stille Grund - Joseph von Eichendorff
Die Landschaft - Rainer Maria Rilke
Abseits - Theodor Storm

Berg und Tal

Auf Höhen

Und ich fragte meinen Lehrer,
Wo der liebe Herrgott wohnt.
"Ei, im blauen Himmel oben,
Wo er mit den Englein thront."

Und die grauen Felsenberge
Ragen doch so hoch empor!
Sieht man von dem steilen Gipfel
In das offne Himmelstor?

Sieht man auch die Engelsscharen?
Hat der Himmel dort ein Loch?
"Ja, natürlich," sprach der Lehrer,
"Warte, du begreifst es noch."

Nein, ich hab' es nie begriffen,
Als ich dann nach manchem Jahr
Oft und oft und immer wieder
Auf den Bergesgipfeln war.

Hoch zu Häupten, fest verschlossen
Wölbte sich das Himmelszelt,
Und ich sah nur kleiner werden
Unter mir die Erdenwelt. - Ludwig Thoma, 1867-1921

Berglied - Friedrich Schiller
The mountain sat upon the plain - Emily Dickinson
Das dunkle Tal - Georg Trakl

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Fluss

Der Fluss - von Dorle Wolf Der Fluss - © Dorle Wolf

Mächtiges Überraschen - Johann Wolfgang von Goethe
Die Quelle - Adelbert von Chamisso

Der Main - Friedrich Hölderlin
Es führt über den Main eine Brücke aus Stein - Volksweise
Jetzt rennen die Bäche so blau daher - Max Dauthendey
Verliebter Fluß - Theodor Däubler
Der Neckar - Friedrich Hölderlin
Der Rhein - Friedrich Hölderlin
An der Saale hellem Strande - Franz Kugler
Die Saale - Joseph von Eichendorff

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See, Teich, Tümpel

Der Tümpel - von Dorle Wolf Der Tümpel - © Dorle Wolf

Der See - Stefan George
Der Weiher - Annette von Droste-Hülshoff
umkreisen wir den stillen teich - Stefan George

Meer

Meeres Stille - Johann Wolfgang von Goethe
Meeresstrand - Theodor Storm
Meerwassergeruch - Max Dauthendey
L`Homme et la Mer - Der Mensch und das Meer - Charles Baudelaire
Das Fräulein stand am Meere - Heinrich Heine
Nis Randers - Otto Ernst
Mine Heimat - Martha Müller-Grählert

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Gedichte über Sonne, Mond und Sterne

Sonne Mond und Sterne

Dem Sonnengott

Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
Von aller deiner Wonne; denn eben ists,
Daß ich gesehn, wie, müde seiner
Fahrt, der entzükende Götterjüngling

Die jungen Loken badet' im Goldgewölk`;
Und jezt noch blikt mein Auge von selbst nach ihm;
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

Dich lieb` ich, Erde! trauerst du doch mit mir!
Und unsre Trauer wandelt, wie Kinderschmerz,
In Schlummer sich, und wie die Winde
Flattern und flüstern im Saitenspiele,

Bis ihm des Meisters Finger den schönern Ton
Entlokt, so spielen Nebel und Träum` um uns,
Bis der Geliebte wiederkömt und
Leben und Geist sich in uns entzündet.

Friedrich Hölderlin, 1770-1843

Sonne

Il cantico di Frate Sole - San Francesco di Assisi - Sonnengesang - Hl. Franz von Assisi
Die Sonne tönt nach alter Weise - Johann Wolfgang von Goethe
Gleich den Frauen lebt die Sonne - Max Dauthendey

Vor Sonnenaufgang

Die frühen Stunden wenn die Purpurnebel
der vollen Sternennächte weich verströmen
hinsickern in den goldig matten Schein
der wie ein Meer aufflutet ... rings die Schatten
der Häuser wachsen riesig wie Gespenster
ins graue Licht und alles liegt und lauscht
und zittert. Und die Brunnen rauschen so.
Frühvögel steigen schrill von feuchten Hecken
ins flaumige Gewölk. Und in den Ästen
raschelt der Wind und traumhaft liegt das Land
und wie erstarrt indes der halbe Mond
aus mattem Reigen morgenblasser Sterne
wie eine Fackel durch die Nebel dampft ...

Die großen Stunden wenn die Sehnsucht mir
die vollen Schalen bunter Träume leicht
ausgießt wie einer Gold- und Perlenschmuck
hinschüttet und ich nur die zitternden Hände
im großen Hort verwühle und den Glanz
den ungeheuren Glanz mit heißen Augen
einschlürfe wie in jäher Trunkenheit ...
und weiß: Was da vor mir im blassen Licht
der Frühe seltsam schillert ist ein Schatz
ein ganzes Leben voller dunkler Wunder
glühend wie Sonne lösend wie die Nacht
und schwer und bebend wie die frühen Stunden
so zwischen Nacht und Dämmer Tag und Traum. - Ernst Stadler, 1883-1914

Sonnenaufgang

Le déjeuner du soleil - Edmont Rostand

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang - Friedrich Hölderlin
Sonnenuntergang - Gottfried Keller
Sonnenuntergang - Christian Morgenstern
Sonne und Mond
- Friedrich Rückert

Wenn's liebe Sönnchen scheint

Wenn's liebe Sönnchen scheint, weht meist ein milder Ostwind,
dann ist man gut gelaunt, das Herz vor Freude hupft.
Doch bläst des Abends spät ein rauher Frühlingsfrostwind,
ist man sehr leicht verstimmt, verärgert und verschnupft.
Am allerbesten ist, daß man nicht grollt und weint,
auch wenn mal nicht das liebe Sönnchen scheint.

Wenn's liebe Sönnchen scheint, dann kommen Mück' und Fliegen.
In großen Schwärmen sieht man sie zum Lichte ziehn.
Doch wenn der Sturmwind fegt, daß sich die Bäume biegen,
verschwinden alle in der Dunkelheit und fliehn.
In ihrem Unterschlupf, da sitzen sie vereint
und warten, bis das liebe Sönnchen scheint.

Wenn's liebe Sönnchen scheint, dann gibt es frohe Feste,
dann sind sie alle da, dann geht es ein und aus.
Doch ist die Tafel leer, verschwinden bald die Gäste.
Den Rest trinkt man allein, und es wird still im Haus.
Beim leeren Glase erst kennt man den wahren Freund,
nicht aber, wenn das liebe Sönnchen scheint.

Fred Endrikat, 1890-1942

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Mond

An den Mond - Füllest wieder Busch und Tal... - Johann Wolfgang von Goethe
An Luna - Johann Wolfgang von Goethe
Guter Mond, du gehst so stille - Karl Enslin
Alla luna - Giacomo Leopardi
La lune blanche - Paul Verlaine
Das Mondlicht - Nikolaus Lenau
Auf den Wolken ruht der Mond - Heinrich Heine
Die Mondsichel - Max Dauthendey
Werdender Mond - Vollmond - Schwindender Mond - Toter Mond - Mondgedichte - Max Dauthendey
Mondesaufgang - Annette von Droste-Hülshoff
Junger Mond schleicht in den Bäumen - Max Dauthendey

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Sterne

Sternenreuse - von Dorle Wolf Sternenreuse - © Dorle Wolf

Blauer Himmel - Adelbert von Chamisso
Die Sterne - Max Dauthendey
Der Abendstern - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Sternschnuppe

Die Sternschnuppe - Friedrich von Sallet
Sternschnuppe - Max Dauthendey

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Wind und Wetter

Der kluge Prophet

Ein Fröschlein sitzt im Schilf und Rohr
und lugt zum Himmelszelt empor,
wie es dort mit dem Wetter steht.
Der Frosch ist, laut Beruf, Prophet.
Bei Regen oder Sonnenschein
ist es sehr leicht, zu prophezein,
doch ist das Wetter ungewiß,
traut selbst ein Frosch der Sache miß.
Auf alle Fälle sagt er sich:
Das Wetter ist »veränderlich«.
Das macht nicht klüger und nicht dümmer.
der gold'ne Mittelweg stimmt immer.

Fred Endrikat, 1890-1942

Die Wetterfahne - Frank Wedekind
Das Himmelblau - Ludwig Tieck

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Wolken

An die Wolken

Es jagen die Stürme
Am herbstlichen Himmel
Die fliehenden Wolken;
Es wehen die Blätter
Des Haines hernieder,
Es hüllt sich in Nebel
Das ferne Gebirg.

O jaget,  Ihr Wolken,
In stürmender Eile.
Ihr ziehet nach Süden,
Wo freundlich die Sonne
Den wehenden Schleier
Euch liebevoll schmücket
Mit goldenem Saum.

Mich trieben die Stürme
Des Schicksals nach Norden
Dort mangelt mir ewig
Die Sonne der Freude,
Und nimmer verkläret
Ihr Lächeln die Wolken
Des düsteren Sinnes.

Und darum geleit'  ich
Mit Seufzern der Sehnsucht
Euch,  luftige Bilder
Der wechselnden Laune
Des ewigen Himmels, 
Und flüchtete gerne
Nach Süden mit Euch.

Charlotte von Ahlefeld, 1777-1849

Die Wolken - Carl Leberecht Immermann
The cloud - Percy Bysshe Shelley
Hinüber - Detlev von Liliencron
Das weiße Volk der Sommerwolken - Max Dauthendey
Keine Wolke stille hält - Max Dauthendey
Wolken - Hugo von Hofmannsthal
Die Winterwolke spricht von Schnee - Max Dauthendey
Das Märchen von der Wolke - Rainer Maria Rilke
Der Gesang des Meeres - Conrad Ferdinand Meyer
An die Wolken - Christian Morgenstern
Feldeinsamkeit - Hermann Allmers
Wolken - Hugo Ball
Wolkenspiele - Christian Morgenstern

Die Wolke hängt noch auf dem grauen Wald...

Die Wolke hängt noch auf dem grauen Wald,
Der in dem Wind und Hagel schauernd steht.
Doch frei ist schon das Land und wieder geht
Der Pflug den Gang. Die schwere Peitsche schallt.

Des nassen Bodens Scholle wirft sich auf
Wenn schwer des Pfluges Huf den Acker stampft.
Der Erdgeruch in dünnem Nebel dampft.
Die Kraft der Erde steigt zum Licht hinauf.

Durch das Gewölke glitt ein Sonnenstrahl,
Ein schmales Band. Und wo er immer war,
Ward hell das dunkle Feld und weithin klar
Des Waldes Grenze und das weite Tal.

Ein kurzer Traum. Denn wieder naht geballt
Der Wolken Schar vom Horizont heran.
Der Regen hüllt sich dicht um das Gespann.
Kaum siehst du noch der Pflügenden Gestalt.

Georg Heym, 1887-1912

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Gasel

Herbstnächtliche Wolken, sie wanken und ziehn
Gleich fieberisch träumenden Kranken dahin;
Auf Bergwald und Seele die Düsternis ruht,
Ob kalt sie auch Wind und Gedanken durchfliehn.
Klar strahlend jedoch tritt hervor nun der Mond,
Und weithin die Nebel entschwanken um ihn;
Geh auf auch im Herzen mir, lieblicher Stern,
Dem immer die Schatten noch sanken dahin!

Gottfried Keller, 1819-1890

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L`étranger

- Qui aimes-tu le mieux, homme enigmatique, dis? ton père, ta mère, ta soeur ou ton frère?
- Je n'ai ni père, ni mère, ni soeur, ni frère.
- Tes amis?
-Vous vous servez là d'une parole dont le sens m'est resté jusqu'à ce jour inconnu.
- Ta patrie?
- J'ignore sous quelle latitude elle est située.
- La beauté?
- Je l'aimerais volontiers, déesse et immortelle.
- L'or?
- Je le hais comme vous haïssez Dieu.
- Eh! qu'aimes-tu donc, extraordinaire étranger?
- J'aime les nuages... les nuages qui passent... là-bas... là-bas... les merveilleux nuages!

Charles Baudelaire: Petits poèmes en prose, I (1869)

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Regen

Regen-Nr3 - von Dorle Wolf Regen Nr.3 - © Dorle Wolf

Und der Regen fällt

Heut, ums Haus herauf,
Geht die Sonn` nicht auf.
Regen auf den Steinen,
Ihre Bäcklein weinen.
Berglein und die Hecken
Voller Tränen stecken.
Kein Ding hält am Ort,
Nebel trägt es fort.
Weinend kommt die Stund,
Lebwohl sagt der Mund.
Und die Trän` sagt: bleib!
Und das Herz im Leib
Dreht sich schluchzend um,
Nur der Fuß geht stumm.
Weiter rollt die Welt,
Und der Regen fällt. - Max Dauthendey, 1867-1918

Der Regen scheint besessen

Ich hör' den Regen dreschen
Und übers Pflaster fegen.
Der Regen scheint besessen
Und will die Welt auffressen.
Ich mu ß mich näher legen
Ins Bett zu meiner Frauen.
Wird sich ihr Äuglein regen,
Kann ich ins Blaue schauen. - Max Dauthendey, 1867-1918

Dich erfleht das Land als Segen - August von Platen
Regen in der Dämmerung - Hugo von Hofmannsthal
Des Narren Regenlied - Otto Julius Bierbaum
Fluß im Abend - Ernst Stadler
Il pleure dans mon cœur - Paul Verlaine
La bonne pluie - Stuart Merrill

Regenwetter

Da sitzt man nun und wartet auf die Sonne.
Der Himmel baumelt wie ein nasser Sack hernieder.
Aus Wolkenfetzen blickt ein Schimmer hin und wieder
in meine Kammer wie in eine Regentonne.

Man wartet schon am Abend auf den nächsten Morgen.
Der kommt mit Wasserstiefeln und mit einer Nebelmütze,
klopft an das Fenster und schiebt durch die Ritze
schon wieder ein Paket mit neuen Sorgen.

Man wartet still von einem Jahr zum andern,
es schmerzt die Brust, die Seele wird zermürbt.
Die Jahre und die Ideale wandern,
bis daß der letzte Hoffnungsschimmer stirbt.

Da hockt man nun in seiner Regentonne
und findet niemals die ersehnte Ruh.
Man sitzt und wartet, wartet auf die Sonne –
und wenn sie da ist, zieht man die Gardinen zu.

Fred Endrikat, 1890-1942

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Der Philosoph ohne Regenschirm

Es ist nicht alles schön auf dieser wunderschönen Welt,
Novemberstürme gibt es auch im Monat Mai.
Beschimpfe nicht den Regen, der auf dich herniederfällt,
bedenk: Der meiste Regen fällt an dir vorbei.

Fred Endrikat, 1890-1942

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Regenbogen und seine Farben

Bei einem Springbrunnen - Theodor Körner
My heart leaps up - William Wordsworth

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Wind und Sturm - Unwetter

Westwind und Ostwind - Marianne von Willemer - Johann Wolfgang von Goethe (Suleika)
Gedichte über den Wind - Max Dauthendey
Und es fegen dir Wünsche aus Stirn und Haar - Max Dauthendey
Bei den Sturmwinden - Max Dauthendey
An den Sturmwind - Friedrich Rückert
Ostwind und Westwind - Heinrich Heine
Windstille - Friedrich Rückert
An English Breeze - Robert Louis Stevenson
The wind - Robert Louis Stevenson
The Tempest - William Shakespeare
Blow, winds, and crack your cheeks - King Lear - William Shakespeare
An awful tempest mashed the air - Emily Dickinson

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Gewitter

Tempête et calme - Jules Verne
Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen - Max Dauthendey
Gewitter - Georg Heym
Gewitter - Melanie Ebhardt
La quiete dopo la tempesta - Die Ruhe nach dem Gewitter - Giacomo Leopardi

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Morgenrot

Morgenrot, Morgenrot - Reiters Morgenlied - Wilhelm Hauff

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Nordlicht

Das Nordlicht - Elisabeth Kulmann

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Nebel

Radicofano

Wüste Nebel und Wolken
Ziehn über die zackigen Berge,
Durch die öde Landschaft:
Weithin alles trüb und finster,
Kein Sonnenschimmer bricht
Die schweren Wolkenmassen.
Wie ausgebrannte Gebirge,
Wie eine gestorbene Welt
So weit das Auge ängstlich schaut.
Da denk ich der vielen
Qualvollen Nächte,
Ohne Schlaf und Erquickung,
Und rund umher steht jene Angst
In Fels und Berg mir vorgemalt.

Ludwig Tieck, 1773-1853

Nebel - Hermann Ferdinand Freiligrath
Nebel - Alfred Lichtenstein
Am Morgen war der Fluß verschwunden - Max Dauthendey
Große Stille - Max Dauthendey
Wo die Nebel brüten im Tal - Paula Dehmel
Nebel - Klabund

Nebel

Du, trüber Nebel, hüllest mir
Das Tal mit seinem Fluß,
Den Berg mit seinem Waldrevier
Und jeden Sonnengruß,

Nimm fort in deine graue Nacht
Die Erde weit und breit!
Nimm fort, was mich so traurig macht,
Auch die Vergangenheit!

Nikolaus Lenau, 1802-1850

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Frost, Raureif

Es kamen die Nachtfröste die Bäume zu morden - Max Dauthendey

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Schnee und Eis

Schnee und Eis - von Dorle Wolf Schnee und Eis - © Dorle Wolf

Die Schneeflocke - Max Dauthendey
Schneeflocken - Max Dauthendey
Neuschnee - Christian Morgenstern
Schnee - Francisca Stoecklin
Ein Klumpen Eis - Max Dauthendey
Schollen Eis - Max Dauthendey

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Der Mond rollt um die Erd`,und um die Sonne sie,
Und die um höhere Sonn`, und um noch höhere die!
Und immer weiter so, und immer weiter nur;
In der Unendlichkeit verliert der Geist die Spur.
Unendlich sei die Kraft, unendlich sei das Leben,
Doch nicht unendlich sei der Raum deswegen eben.
Was wär` Unendlichkeit die äußerliche so?
Der innerlichen nur des Geistes bin ich froh.
Jenseits der Körperwelt muß eine Lichtwelt stehn,
Aus der sie niedersank, in die sie auf will gehn.
Die Sonnen leuchten nicht von ihrem eignen Lichte,
Sie leuchten von dem Licht auf Gottes Angesichte.
Licht ist das geistige Kleid, das diese Welt umfließt,
Das sich an jedes Glied des großen Leibes schließt.
Dies geistige Netz, gewebt aus Gottes Liebesblicken
Will immer brünstiger die Körperwelt umstricken,
Und jedes Glied schließt an ein höheres sich an,
Durch dessen Zug es will gezogen sein hinan,
Zu Sonnen werden, die sich stark im Licht verklären,
Von deren Ausfluß dann die schwächeren sich nähren.
Doch wie sie nach dem Saum des Lichtes ewig greifen,
Zu Sonnen werden auch die letzten endlich reifen.
Und was auf ihnen ist, reift durch der Sonnen Kraft,
Die Welt wird durch und durch mehr und mehr sonnenhaft.
O Geist, mit diesem Thau mußt du dich auch befeuchten,
Wenn du in diesem Bau mit willst als Sonne leuchten.

Friedrich Rückert, 1788-1866

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Das Wundersame

Es ist das Wundersame am Naturgeschehen,
daß es beständig unser Menschenherz erfreut.
Schön ist der Sonnenaufgang, schön das Untergehen –
das ewig Alte, das sich immerdar erneut.

Wie herrlich sind des Frühlings erste, zarte Lieder,
und wie gewaltig, wenn im Herbst die Vögel südwärts ziehn.
Man weiß es, kennt es und erlebt es immer wieder,
man wartet auf das Keimen, Blühen und Verblühn.

Es ist das Wundersame am Naturgeschehen,
daß man beständig seine Freude daran hat.
Schön ist das Werden, schön ist das Vergehen.
Schön ist die erste Knospe und das letzte welke Blatt.

Fred Endrikat, 1890-1942

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